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Bäuerliche Torfgewinnung und Nutzung

Generelle Vorbereitung zum Torfabbau

Bevor Torf abgebaut werden konnte, mussten die Moorflächen dafür vorbereitet werden:

  • Entwässerung über ein System von Gräben.

Noch heute kann man dieses System von Abgrabungen, Moordämmen mit beidseitig begleitenden Gräben zur Abfuhr der Torfsoden besonders auf Luftbildern der verbliebenen naturnahen Moorflächen erkennen. Die Moorgräben wurden an das Entwässerungssystem mit Verbindung an größere Vorfluter angeschlossen.

  • Beseitigung der Moorvegetation aus Heidearten, Wollgräsern und anderen Gehölzen.

Dieser Vorgang wird als „Abbunken“, das Material als „Bunkerde“ bezeichnet. Die Bunkerde muss auch jetzt noch nach den Vorgaben der Abbaugenehmigungen erhalten bleiben, um die Kultivierung, bzw.  Renaturierung der abgetorften Flächen besser zu erreichen.

 

Mit den Vorbereitungen zum Torfabbau veränderte sich die Vegetation der natürlichen Hochmoorflächen, insbesondere die Torfmoose (Sphagnen), stellten ihr Wachstum ein. Damit wurde auch der Lebensraum einer speziell angepassten Tierwelt stark verändert, mit der Folge bis zu einer vollständigen Verdrängung.

Brenntorfgewinnung im Handtorfstich-Verfahren

Torfladen aus Speckmann 1933.jpgSchwarztorf, der stärker zersetzte Hochmoortorf, besitzt bis auf wenige gröbere Teile von Holz und Wollgräsern keine Struktur mehr. Schwarztorf, auch als Brenntorf bezeichnet hat einen Energiewert, der höher als Holz aber niedriger als Braunkohle liegt.

Der Abbau wurde meist von zwei Arbeitskräften ausgeführt. Ihre Werkzeuge waren speziell: Spaten, Sticker, Jager, Pricke und Torfkarre. Vor dem eigentlichen Stechen wurde die Vegetationsschicht in einer Mächtigkeit von ca. 30 cm zur Seite geräumt, „abgebunkt“. Der Weißtorf und ein schwarzgrauer Torf, der „Splint“ wurde ebenfalls abgebunkt, da dieser bei der Verbrennung nur wenig Energie hat. Meist wurde dieser Abraum in die ausgetorften Gruben, den Pütten verbracht.

Zunächst nahmen die Torfstecher eine Einteilung der Moorfläche vor. Der Vorgraber bestimmte mit der Länge seiner Holzschuhe die Sodenlänge. Die Abbaufläche wurde in lange, schmale Streifen eingeteilt. Eine Grube mit einer Stichbreite von 30 Soden und einer Stichtiefe von 12 Soden wurde ausgehoben. Die Torfstecher konnten an einem Arbeitstag (ein Dagwerk) ca. 3000 Soden fördern. Über Nacht füllten die Pütten sich mit Wasser und mussten für den weiteren Stich leer geschöpft werden. Hatte man die Sohle, meist den mineralischen Untergrund erreicht, wurde eine neue Pütte eröffnet. So entstand die typische Struktur von Pütten und Stegen, die bis heute die Hochmoor-Randbereiche der letzten naturnahen Moore prägt.

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Die Torfsoden wurden mit Schubkarren zum Trockenplatz transportiert und dort ausgelegt. Für die Trocknung durch Sonne und Wind wurden die Soden zu Haufen locker aufgeschichtet und mehrmals für eine bessere Trocknung umgesetzt, „geringelt“. Die trockenen Brenntorfsoden wurden mit Pferd und Wagen über die Moordämme abgefahren. Oft trugen die Pferde spezielle Holzschuhe für die Hufe, um nicht im weichen Torf einzusinken. Die Fuhrwerke transportierten den Torf auch bis zu den Verladestationen der Schiffe und Bahnen, die den Weitertransport zum Verbraucher in die Dörfer und Städte übernahmen.

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© Schmatzler

Schiffe auf der Hamme transportieren Torf (H. Saebens in Schmatzler)

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© Langner

Torfkahn in Moorhof/Augustendorf

Bäuerliche Weißtorfgewinnung zur Streunutzung

Weißtorf, der schwächer zersetzte Hochmoortorf, setzt sich überwiegend aus Torfmoosen (Sphagnum) zusammen. Reste von weiteren hochmoortypischen Pflanzen, wie u.a. Heidearten (Ericacaeen), lassen sich gut bestimmen. Zum Brennen ist Weißtorf weniger geeignet. Er wurde durch Mahlung zu Streutorf verarbeitet und fand erstmals um das Jahr 1880 vorwiegend zum Einstreuen in Ställen Verwendung. Vor der Motorisierung bestand dafür ein hoher Bedarf in den Pferdeställen der Städte. Die Vermarktung als Streutorf war anfangs schwierig. Um den Absatz von Streutorf zu fördern, wurde von der Torfindustrie 1919 der Torfstreuverband mit Sitz in Berlin gegründet. Erst nach dem II. Weltkrieg wurden aus Weißtorf Erden und Substrate für den Gartenbau entwickelt [13].

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Handtorfstich

Ein Torfstecher konnte im Akkord an einem Arbeitstag 35 m³ Weißtorf stechen. Wie auch beim Schwarztorf bäuerlichen Handtorfstich wurden die Soden gestochen. Nun in langen Reihen und parallel zum Stechgraben aufgesetzt. Auch das Ringeln für die Trocknung geschieht in langen Reihen und wird mehrfach wiederholt. Die trockenen Soden wurden per Hand mit großen Körben, den „Kreiten“ zusammengetragen und zu Feldmieten aufgetürmt. Bevor Stechmaschinen zum Einsatz kamen, wurde Weißtorf von Hand gestochen. Mit Feldbahnen wurden die Soden nach Bedarf zur Weiterverarbeitung in die Fabrik gefahren. Vor der Verwendung von Dieselloks wurden die Loren durch Pferde gezogen.

Literatur

[1] Behre, K.-E. (2008): Die Kultivierung der Moore Landschaftsgeschichte Norddeutschlands. Umwelt und Siedlung von der Steinzeit bis zur Gegenwart (pp. 213-228). Neumünster(Wachholtz

[2] Birkholz, B., Schmatzler, E., Schneekloth, H., Lüderwaldt, D., & Tüxen, J. (1980): Untersuchungen an niedersächsischen Torflagerstätten zur Beurteilung der abbauwürdigen Torfvorräte und der Schutzwürdigkeit im Hinblick auf deren optimale Nutzung Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen (Vol. 12, pp. 402).

[3] Bundesministerium für Umweltschutz, N. u. n. S. (2016): Klimaschutzplan 2050.

[4] Bundesministerium für Umweltschutz, N. u. n. S. (2019): Klimaschutzprogramm 2030 (pp. 1-173).

[5] Freese, J. C. (1789): Über die Vehne oder Torfgräbereien. Aurich, Nachdruck 1980; Leer).

[6] Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energie-Gesetz – EEG) (2009).

[7] Günther, J. (2018): Pioniere im Großherzogtum Oldenburg — Die Bedeutung der Familie Strenge aus Elisabethfehn für die Entwicklung der industriellen Brenntorfgewinnung in Europa. Telma, 48, 185-202.

[8] Hückstädt, A. (2021). Mögliche Potentiale von Holzfasern und Rinden in Blumenerden und Kultursubstraten. Paper presented at the Holz und Rinde als alternative Ausgangsstoffe für die Substratherstellung Online-Fachgespräch

[9] Niedersächsischer Minister für Ernährung, L. u. F. (1981): Niedersächsisches Moorschutzprogramm – Teil I. In L. u. F. Niedersächsischer Minister für Ernährung (Hrsg.), (pp. 37 ). Hannover.

[10] Niedersächsischer Minister für Ernährung, L. u. F. (1981): Niedersächsisches Naturschutzgesetz vom 20. März 1981. In L. u. F. Niedersächsischer Minister für Ernährung (Hrsg.), Nds. GVBl. 35 Nr. 8: 31-45 und folgende Veränderungen. Hannover.

[11] Niedersächsischer Minister für Ernährung, L. u. F. (1986): Niedersächisches Moorschutzprogramm- Teil II (pp. 1-42). Hannover.

[12] Richard, K.-H. (1990): Torfgewinnung und Torfverwertung. In K. Göttlich (Hrsg.), Moor- und Torfkunde (pp. 441-453). Stuttgart (E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung.

[13] Schmatzler, B., & Schmatzler, E. (2007): Vom Moorgut zum Rohstoffunternehmen. Hochmoore in Niedersachsen. Moornutzung und Moorschutz. Torfwerk Moorkultur Ramsloh. Saterland-Ramsloh(Werner Koch GmbH & Co.).

[14] Schmatzler, B., & Schmatzler, E. (2010): Moorland – Moorlandschaften in Niedersachsen nach industriellem Torfabbau. Burgwedel(Industrieverband Garten e.V. (IVG)).

[15] Schmatzler, E. (2012): Die Torfindustrie in Niedersachsen – Ergebnisse einer Umfrage zur Zukunft der Torfgewinnung in Niedersachsen. TELMA - Berichte der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde, 42. doi: 10.23689/fidgeo-2959

[16] Schneekloth, H. (1970): Die Moore in Niedersachsen. 8 Teile, nach Blättern der Geologischen Karte der Bundesrepublik Deutschland (1:200 000). Göttingen(Veröff. Nds. Inst. Landeskd).

[17] Schneekloth, H. (1983): Die Torfindustrie in Niedersachsen (Vol. NF.120). Göttingen(Veröff. Nieders. Inst. Landeskde. u. Landesentwickl.).

[18] Speckmann, D. (1933): Mensch in Moor und Heide. Berlin).

[19] Stuik, H. (1981): Wege ins Moor. Wanderungen in und um Worpswede. Worpswede(Worpsweder Verlag).

[20] Tacke, B., & Lehmann, B. (1926): Die norddeutsche Moore Bielefeld und Leipzig).

 

Hückstädt, Arne (2021) Beitrag zum Online Fachgespräch zu Holz und Rinde als alternative Substratausgangsstoffe, Herausgeber Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe, Gülzow https://www.torffrei.info/holz-und-rinde-als-alternative-ausgangsstoffe-fuer-die-substratherstellung

Eckhard Schmatzler & Silke Kumar (2021)